Gemeindearchivar: Georg Gruber

Ortsteil Aufkirchen

Ortsteil-AufkirchenAufkirchen war von den Gemeindeorten über Jahrhunderte die kleinste Ansiedlung. Die Bedeutung der Ortschaft jedoch mit dem Charakter eines im Kulturraum am Moosrain war über lange Zeit sehr dominant. Sie bildete die Keimzelle der kulturellen und religiösen Entwicklung dieser Gegend. Schriftliche Erwähnung findet der Ort inmitten auf dem Lösshügel, mit bestem Ackerland, zwischen der Dorfen am Moosrain und dem Sempttal, in der Regierungszeit von Bischof Gottschalk von Freising vom Jahre 994 bis 1005. In besagter Urkunde wird die Übertragung von Besitzungen durch Graf Otto an das Domkapitel in Freising zu Ufchirihun, Vfkhiricha festgehalten. Auf Grund des Kirchenpatroziniums St. Johann Baptist und der Entwicklung der Pfarrei in den folgenden Jahrhunderten, hatte der Ort einen besonderen Rang für den Moosrain.


Nachdem der Jahresrhythmus des täglichen Lebens über Jahrhunderte von dem Kirchenkalender geprägt war, vollzogen sich danach auch die entsprechenden Feierlichkeiten für die Bewohner der Großpfarrei bis zum Ende des zweiten Weltkriegs in Aufkirchen. Das begann mit den Hochfesten des Kirchenjahres wie Ostern, Fronleichnam oder Pfingsten ebenso wie mit der Ersten hl. Kommunion. Auch die Führung der Matrikelbücher, der Tauf-, Firmungs-, Trauungs- und Sterbebücher oblag bis zum Ende des 20. Jahrhunderts dem Pfarrer von Aufkirchen, der bis 1919 zugleich Lokalschulinspektor war. Er hatte unterhalb des Bezirksschulinspektors, der ebenfalls ein Geistlicher war, die Oberaufsicht über die Volks- und Feiertagsschulen. Bei der Diözesanbeschreibung im Jahre 1315 ist Aufkirchen folgend beschrieben: Aufchirchen soluit XII Pfund et X M(arcas) Mon(acenses), h(abe)t IIII filias: Inning, duo Dieng cum sepul(turis), Chämpfing & Notzing sine sepul(turis).

 

Zur Pfarrei Aufkirchen gehörten die Orte Moosinning, Eching, Kempfing, Stammham, Notzing, Niederding, Oberding und Schwaig. Nachdem Moosinning 1884 zur eigenen Pfarrei erhoben wurde, folgte im Jahre 1946 Schwaig und Niederding. Bedeutsamer Weise bilden die Pfarreien Aufkirchen mit der Filiale Notzing und Kempfing, Niederding mit der Filiale Oberding sowie Schwaig mit der früheren Filiale Franzheim seit 1. Mai 1983 einen Pfarrverband und werden von Aufkirchen aus verwaltet.

 

Wie alle anderen Orte hatte auch Aufkirchen immer wieder unter den Kriegswirren zu leiden. Im 30jährigen Krieg waren die Schweden 1632, 1634 und 1648 im Land. 1648-50 herrschte die Pest. Aber auch im Spanischen- (1701-1714) und Österreichischen (1741-1745) Erbfolgekrieg wurden von der wütenden Soldateska das Volk drangsaliert und ausgebeutet. Im ersten Weltkrieg 1914-18 hatte Aufkirchen drei Gefallene und im 2. Weltkrieg 1939-45 sieben Gefallene und zwei vermisste Söhne zu beklagen.

Ganz zum Kriegsende kam es auch noch zu Kampfhandlungen. Durch die Stationierung von deutschen Streitkräften mit ihren Geschützen kam es zum Beschuss vom 30. April auf den 1. Mai 1945 durch die Amerikaner. Neben den fünf Toten, drei deutsche Soldaten und zwei Franzosen wurden Gebäude beim Fischer, Wirt und Klostermair stark beschädigt.

 

Ein besonderes Ereignis verdankt Aufkirchen seiner geographischen- sowie der dominanten Lage der Pfarrkirche. Im Jahre 1801 wurde nämlich zwischen dem Kirchturm Aufkirchen und dem nördliche Turm der Frauenkirche in München die Basislinie zur Landesvermessung ausgemessen. Die Grundlinie dieser Messung ist auf dieser Basis in Aufkirchen am Kraftwerk sowie in Oberföhrung beim Heizkraftwerk mit einer Steinpyramide markiert. Diese für die damalige Zeit einmalige Leistung, unter französischer Federführung, leitete eine Besitz- und Verwaltungsreform von unvorstellbarem Ausmaß ein. Alle bis dahin geltenden Rechts- Besitz- und Verwaltungspraktiken wurden außer Kraft gesetzt und neu geordnet. Es bildeten sich die politischen Gemeinden.

 

Einen gehörigen Entwicklungsschub in der Bevölkerungsentwicklung und im Sozialgefüge der Ortschaft Aufkirchen brachte der Kanalbau mit der Errichtung des Kraftwerks Aufkirchen der Mittleren Isar AG. Wenn man bedenkt, dass der Ort über Jahrhunderte nur 14 Anwesen und von 1865 bis 1880 um vier erweitert wurde war der Aufbruch in die Neuzeit schon gewaltig. Beim Bau der Mittleren Isar AG waren in der größten Bauphase bis zu 6000 Arbeiter beschäftigt. Nachdem in der Folge dieser gewaltigen Anlage in Aufkirchen vier Wohnhäuser für Betriebsangestellte errichtet wurden, war auch der Zuwachs an Einwohner entsprechend. Mit der Errichtung der Industrie-Bahn von Erding dem Kanal entlang erfuhr auch der Moosrain einen Anschluss an das Reichsbahnnetz. Auf den Schienen wurden nicht nur die Schwertransporte zum Bau der Kraftwerke abgewickelt, sonder auch Wirtschaftsgüter für die Landwirtschaft befördert. Zum Kriegsende wurden bei den Ortschaften noch kleine Bahnstationen mit Bahnsteig und Wartehäuschen für den Personenverkehr eingerichtet. Allerdings war mit der Sprengung der Kanalbrücken der Verkehr für einige Zeit unterbrochen.

 

Ein weiterer Entwicklungsschub folgte mit dem Kriegsende. Es kamen viele Flüchtlinge aus Schlesien, dem Sudetenland und aus Ungarn in das Dorf. Zu Anfang der 50er Jahre begann dann die Siedlungstätigkeit, die sich bis heute fortsetzt. Dabei hat auch der neue Flughafen mit der Zuwanderung an Arbeitskräften mit ihren Familien einen gehörigen Anteil. Das wiederum die Erweiterung und Anpassung der Infrastruktur zur Folge hat. Auch die landwirtschaftlichen Betriebe änderten ihre Struktur. Das Schwergewicht verschob sich vom Feldbau zur Tierhaltung und wieder zum Feldbau.

 

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